Leserbriefe

Zum Leitartikel "Was nutzt Schülern Hardware ohne Hirn?" von Christian Imminger vom 20. Oktober 2016:

Vor dem Computerzeitalter hatten wir auch schon Hardware. Wir haben sie Bücher genannt. Zu meiner Zeit musste man für ein Referat in die Bibliothek und dort Lexika wälzen. Heute gibt man den Begriff bei Google ein und hat in Sekundenschnelle alle Informationen. Trotzdem wird ein Großteil unserer Jugend immer ungebildeter. Die Frage an 16- bis 18-Jährige, ob sie schon mal einen echten Homo Sapiens gesehen haben, beantworteten über 80 Prozent mit Nein. Die vordringliche Aufgabe unserer Pädagogen sollte also sein, die Neugierde der Schüler zu wecken und Fragen zu stellen. Dann können Hard- und Software bei der Suche nach der Antwort helfen. Die Frage in Ihrem Leitartikel müsste eigentlich lauten: "Was nützt es mir, dass ich alles googeln kann, wenn mich nichts interessiert?"

Zu "Union ringt um Einigkeit" (Politik) vom 26.September:

Wenn mit diesem Ringen um Einigkeit gemeint ist, dass die Union versucht, bei allen Wählern zu punkten und so widersprüchliche Positionen wie die der AfD in ihr Wahlprogramm zu integrieren, dann ist diese Einigkeit zum Scheitern verurteilt. Der deutsche Wähler sehnt sich nach einer Partei, die eine klare Meinung vertritt und nicht versucht, es jedem recht zu machen. Hört endlich damit auf, jedem Spinner nachzurennen. Es ist leider eine Tatsache, dass 15 bis 20 Prozent der Deutschen entweder irrationale Ängste haben oder rechtslastige Demagogen wählen. Eine Partei, die meine Stimme haben möchte, müsste alles tun, um von diesen Menschen nicht gewählt zu werden. Kümmert euch gefälligst um die restlichen 80 Prozent. Wenn alle Parteien versuchen, es allen recht zu machen, dann führt das zwangsläufig zu Politikverdrossenheit der demokratischen Mitte und damit zur Stärkung von extremen Positionen.

 

In Deutschland gibt es ein Vermummungsverbot bei Demonstrationen und in Fußballstadien. Dieses Vermummungsverbot, das mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe belegt werden kann, sollte grundsätzlich in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens angewendet werden. Wenn es generell verboten ist, sein Gesicht zu verstecken, und wenn es bei diesem Verbot keinerlei Ausnahmen gibt, brauchen wir keine Sonderregelung für die Burka.

Ein Jugendlicher, bei dem der Plan langsam heranreift, einen Amoklauf zu verüben, sendet bewusst oder unbewusst Signale aus. Dass Signale von seinem Freundeskreis, von seinen Lehrern, von seinem Waffenlieferanten und auch von seiner Familie nicht erkannt wurden, ist das eigentlich Schlimme an der Sache. Es ist mit Sicherheit kein Vertrauensbruch, wenn man mal in den Computer seines Spösslings schaut, besonders dann, wenn er Stunden davor verbringt. Alle Amokläufer wollen mit ihrer Tat ein Fanal setzen. Sie wollen das erreichen, was man ihnen eine Leben lang vorenthalten hat. Sie wollen wahrgenommen werden. Aus einer Familie, in der man über alles sprechen kann und dies auch tut, wird kein Amokläufer hervorgehen.

Zum Artikel "Kleine Kügelchen gegen Kriegstraumata" vom 18.Juni:

Wie kann ein Wirkstoff heilen, der millionenfach verdünnt ist? Das ist zwar wissenschaftlich unmöglich, aber durch das intensive Gespräch des Homöopathen mit dem Patienten entsteht ein Vertrauensverhältnis und der Patient fühlt sich ganzheitlich ernstgenommen. Er wird nicht auf seine Krankheit reduziert und er kann über seine Probleme reden. Wenn er jetzt seine Kügelchen einnimmt, ist er von deren Wirkung so überzeugt, dass er sofort die Selbstheilungskräfte seines Körpers aktiviert und die sind immer noch die beste Medizin, die es gibt. Die ganze Homöopathie ist also nichts anderes als ein positiver Placeboeffekt, aber er funktioniert.

Ein guter Homöopath bräuchte eigentlich gar keine Kügelchen, er könnte auch einfach die Hand auflegen, oder die Krankheit wegbeten. Es gilt aber immer noch die alte Medizinerregel: "Wer heilt, hat recht."

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